Lateinfahrt der 8. und 9. Klassen nach Trier im März 2016

Ein paar von uns hatten ja fest vorgehabt, die Lateinfahrt in Rom zu verbringen, und waren dementsprechend etwas enttäuscht, als  klar war, dass wir nach Trier fahren. Unsere Lehrer erklärten uns jedoch, dass Trier, auch "das kleine Rom" genannt, der Nabel der Welt nördlich der Alpen gewesen war und dass man alles, was man in Rom besichtigen kann, auch in Trier hat, nur auf engerem Raum.

So standen wir eines Montagmorgens am Treffpunkt Konzerthaus zur Abfahrt nach Trier: Wir waren freudig, aufgeregt und gespannt, was uns diese drei Tage in einer anderen Stadt bescheren würden, und wir bemitleideten jetzt schon alle Nicht-Lateiner, die zu diesem Zeitpunkt bereits in der Schule saßen, während wir Reiseluft schnuppern durften.

Am  Nachmittag kamen wir in der Jugendherberge an, und wir zogen gleich los, um Trier auf eigene Faust zu erkunden und uns so einen ersten Eindruck der Stadt an der Mosel zu verschaffen.

Außerdem diente das der letzten Vorbereitung unserer Referate - ohne Noten, ohne Stress, dafür mit umsomehr eigenem Interesse - über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Triers aus allen Epochen. So konnten wir uns unsere Sehenswürdigkeiten vor Ort anschauen und mit unserem Referat abgleichen. Das war sehr spannend, denn das, was zuhause doch ziemlich abstrakt gewesen war, was wir uns nicht wirklich vorstellen konnten, weil all die Informationen, Gebäude, Menschen, Jahreszahlen im Kopf herumschwirrten, worüber wir so viel gelesen hatten, das stand auf einmal in echt vor uns. Es war auf einmal real und greifbar. Und vor allem bei den Gebäuden aus der Römerzeit realisierten wir erst jetzt, wie alt das alles war. Und wir fragten uns, was die Mauern wohl erzählen würden, wenn sie sprechen könnten.

Nach dem Abendessen durften wir eine spannende und anschauliche Führung eines Gladiators durch das römische Amphitheater erleben. Es wurde langsam dunkel und die Fackeln, die den düsteren und feuchten Keller erhellten, machten das Ganze sehr stimmungsvoll. Der Gladiator erzählte und spielte gleichzeitig und brachte uns den Glanz und die Abgründe der alten römischen Gladiatorenzeit nahe. Er spielte so enthusiastisch und eindrücklich, dass es uns alle mitgerissen hat und wir ergriffen und berührt von seinem Schicksal waren.

Nach so vielen Eindrücken und besonderen Begegnungen fielen wir ziemlich müde und geschafft ins Bett.

Am nächsten Tag waren wir schon "viel zu früh" auf dem Weg zum Rheinischen Landesmuseum, wo wir viele Ausstellungsstücke aus dem Trier der Römerzeit mit interessanten Geschichten dahinter zu sehen bekamen.

Nach der Führung kamen wir in den Genuss einer Multi-Media-Show, in der ein Römer seiner gestorbenen Frau ins "Reich der Schatten" - also ins Totenreich - folgte. Es hieß: "Nicht den Tod sollst du fürchten, sondern dass du nie beginnen wirst zu leben."

Am Mittag hatten wir freie Zeit für einen gemütlichen Abstecher ins Café (bei soo leckerem Kuchen!), für Ausruhen, Shoppen oder was wir sonst so machen wollten, bevor es mit den Referaten losging.

Einmal querbeet durch alle Epochen war jede Präsentation durchweg spannend und anschaulich. Wir stellten fest, dass es viel interessanter ist, Geschichte vor Ort zu erleben;denn es gibt Dinge, die man aus Büchern nicht lernen kann: die Atmosphäre, die Imposanz der Gebäude aus der glorreichen alten Zeit, wie präsent diese Zeit in Trier noch ist ( in Trier bilden Vergangenheit und Gegenwart zusammen ein harmonisches Ganzes, du denkst, du läufst zwischen modernen Häusern und plötzlich biegst du um eine Ecke und stößt auf ein großes, beeindruckendes Relikt der Vergangenheit, das raubt dir jedes Mal den Atem), die Vorstellung, was an den Orten schon alles geschehen ist und die Verbundenheit, die wir spürten, als wir an alle Menschen dachten, die vor uns schon hier standen.

Am Abend saßen wir in lustiger Runde bei einem spontan gestalteten Spieleabend zusammen - wir hatten viel zu lachen!

Am Mittwoch  hörten wir die letzten Referate; in diesen zwei Tagen hatten wir viel gelernt über das Stadtzentrum mit der Porta Nigra, über den Dom, die Kaiserthermen, das Kurfürstliche Palais, das Karl-Marx-Haus, das Moselufer und über vieles mehr.

Und dann hieß es auch schon wieder: "Auf Wiedersehen, Trier!"

Denn ein weiteres Ziel unserer Reise steuerten wir noch auf der Rückfahrt nach Freiburg an: die Villa Borg, eine nach archäologischen Funden rekonstruierte alt-römische Villa im Saarland.

Auch dort wurde uns alles genau gezeigt und erklärt, von den verschiedenen Badebecken und Ruhezimmern bis hin zur Küche mit offener Feuerstelle.

Doch der absolute Höhepunkt war das Mittagessen dort in der Taverne, wo nach alt-römischen Rezepten gekocht wird. Ich schätze, wir bemitleiden immer noch alle, die nicht das Glück hatten, diesen kulinarischen Genuss erleben zu können. Wir schwelgten in Hühnerschenkeln mit Datteln, Honig und Pinienkernen, leckeren Antipasti, Dinkelreis, wunderbarem Gemüse mit Koriandersamen - die Italiener hatten das mit dem Essen einfach schon immer drauf! (Wir hätten am liebsten den Koch nach Freiburg entführt, damit er unser Caterer wird, aber wir haben es uns doch nicht getraut.) Es haben jedenfalls alle mehr gegessen, als sie Hunger hatten…

Noch lange nach der Heimkehr schwelgen wir in Erinnerungen an dieses Essen als Höhepunkt einer absolut durch und durch gelungenen Reise!

Deswegen wollen wir uns noch einmal bei allen Lehrern bedanken, für die Organisation, die Begleitung, die Freude und den Spaß, den wir zusammen hatten: Frau Hormuth, Herrn Stöfken, Frau Schild und Herrn Schild.

Vielen Dank! Es war eine ganz besondere Fahrt!

Hannah Reinbold und Antonia Flach, 9d