125 Schülerinnen beschäftigen sich mit der "Schöpfung"

Probentage an der Akademie für die musizierende Jugend Baden-Württembergs im Kloster Ochsenhausen vom 30.1. - 1.2.2012

Ist das für Jugendliche noch aktuell?

Drei Engel berichten vom Schöpfungswerk Gottes, ein Chor greift ergänzend ein und lobt als Engelsschar am Ende jeden Tages das bisher Erschaffene.

Joseph Haydn war nach  seiner ersten Englandreise im Jahre 1790/91 begeistert von den Oratorien Händels nach Wien zurückgekehrt und hatte auch gleich den Stoff für sein erstes Oratorium  mitgebracht: das Epos von John Milton – "Paradise Lost".

Wie würden unsere  Sängerinnen und Instrumentalistinnen aus Chor und Orchester diese "alten Geschichten" aufnehmen? Würden sie diesen Lobgesang auf die Schönheit unserer Erde mit ihrem Weltverständnis in Verbindung bringen können?

Andererseits hatten sie im März vor einem Jahr über die Medien bewusst miterlebt, wie fragil unser Dasein auf unserem Planeten ist, aller modernen Raffiniertheit zum Trotz .

Wir ließen es auf den Versuch ankommen und nach ca. drei Monaten Vorlaufzeit jeden Freitag von 13.30 bis 15.00 Uhr war es soweit: Chor (Leitung: Matthias Ratzel) und Orchester (Leitung: Eva Raab-Bollinger) trafen in Ochsenhausen im Konzertsaal des Klosters, dem Bräuhaussaal,  zum ersten Mal zusammen.

Das schwierige Werk, im Original musiziert, begann auf einmal zu klingen und nach 13 Stunden Probe an zwei Tagen schien es, dass  alle fasziniert waren von Haydns musikalischen Einfällen:  vom Sonnenaufgang und Vogelgezwitscher bis zur Darstellung der Naturgewalten, von der Sehnsucht nach einem harmonischen Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.

Der  sinfonisch aufgebaute Orchesterpart mit ständig wechselnd gestimmten Bläserstimmen musste  transponiert werden, halsbrecherisch schnelle Streicherpassagen vereinfacht werden.

Als Glücksfall erwiesen sich  meine beiden Kolleginnen Maraike van Gompel (tiefe Streicher) und Konstanze Buchmann (Bläsergruppe), die es verstanden unterschiedliche Leistungsniveaus der  Instrumentalistinnen auszugleichen.

In der nachfolgenden Gesamtprobe erstaunte eine Gruppe die andere mit ihren immensen Fortschritten. Die Querflöten als auch die ersten Geigen erarbeiteten  ihre heiklen Stellen  in eigener Regie und die 12 zweiten Geigen, von denen ca. die Hälfte Neuzugänge bei den „St.Ursula-Symphonics“ waren, wurden von mir betreut.

Nicht nur die Musik führte Mädchen aus den Klassenstufen 6-13 ("Das letzte Mal Ochsenhausen lasse ich mir trotz des Abiturs doch nicht nehmen") zusammen; es gab Schneespaziergänge, Shoppen in Ochsenhausen, Spiele, die DVD "Kinshasa Symphony" am zweiten Abend, eine einstündige Klosterführung unseres Referenten  in einer Mittagspause und immer wieder Foto-Shooting in den barock-prachtvollen Räumen und Treppenhäusern. Außerhalb der regulären Proben wurden Instrumente getauscht, ausprobiert und in Kammerensembles weiter musiziert. Da  das St. Ursula das Haus ganz alleine füllte,  war es klar, dass während der drei Tage kein Zimmer abgeschlossen werden musste.

Nach der letzten Probe überraschten die Schülerinnen uns LehrerInnen mit einem Gutschein und kreativ gestalteten weißen Stofftaschen, auf denen unsere jeweiligen Sprüche aus den  Proben zu lesen waren.

Noch in der gleichen Woche gab es am Samstag die Bewährungsprobe: die Zusammenführung des Schülerinnenchores und des Orchesters mit dem  von Matthias  Ratzel geleiteten Lehrer- und Elternchor im Gottesdienstraum. Das Klangvolumen nahm unter dem Einfluss der bisher vermissten Männerstimmen Haydn´sche Formen an.

Wir sind alle gespannt auf das Ergebnis unseres  1. Teils der "Schöpfung" bei der Aufführung am 6. März 2012, 19.00 Uhr in der Schulaula.

Eine Ausstellung von Arbeiten der Klasse 7c  zum Thema "Schöpfung" (Kunstlehrerin Bettina Fischer) begleitet die Aufführung  und die Schülerinnen des  Literatur-Kurs es  Klasse 12/13 ( Leitung:  Karin Schirrmeister ) werden ihre Auseinandersetzung mit dem Thema vor Erklingen der Ouverture präsentieren.

Eva Raab-Bollinger

Hier finden Sie Bilder , die während der Probentage entstanden sind.