USA-Austausch 2012

Es  war ein unglaubliches Gefühl, als wir nach acht Stunden Flug und einer turbulenten Busfahrt in einem originalen, gelben Schulbus in die Einfahrt der Bullis School fuhren. Das Gelände war enorm - penibel gepflegt und riesengroß!

Es ist ja weit verbreitet, dass die Amerikaner sehr herzlich und gastfreundlich sind, das kann auch ich nur bestätigen, denn schon als wir, alle noch etwas schüchtern, das erste Mal die sogenannte „Blair Lobby“ betraten, bekamen wir erst einmal einen Applaus und eine liebevolle Begrüßung. Auch die Familien, die uns zugeteilt wurden, waren alle sehr nett und zuvorkommend.

Als Leonie und ich dann ein wenig später in einem riesigen Geländewagen mit unserer Gastfamilie durch die Einfahrt unseres neuen Heims fuhren, kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Vor uns erhob sich ein riesiges Haus, ja fast schon eine Villa. Begeistert bezogen wir unsere riesigen Zimmer mit typisch amerikanischer Einrichtung und eigenem Bad. Nach einem gemütlichen Abendessen zu Hause (den Rest unseres Aufenthaltes aßen wir meistens in Restaurants…) waren auch alle meine letzten Bedenken verflogen.

Am nächsten Morgen fuhren Jordan, unsere Austauschpartnerin, Leonie und ich mit Josh, unserem Gastbruder in die Schule. Zum Frühstücken hielten wir bei Starbucks- was uns gleich einen ersten, kurzen  Einblick in den amerikanischen Alltag gab.

In der Schule bekamen wir eine liebevolle Führung über den Campus, der wirklich super schön war! Zur Krönung bekam jeder ein Bullis-Shirt, -Turnbeutel und –Kuli (alles aus dem schuleigenen Shop…) geschenkt. Den restlichen Tag durften wir mit unseren Austauschschülern auf der High School verbringen. Dieser erste Schultag war natürlich voller Überraschungen: Die Schüler tippten die Tafelbilder hauptsächlich auf ihre Laptops, viele Schüler saßen mit ihren iPhones im Unterricht und die Mädchen trugen – entgegen der Kleiderordnung - ihre Schulröcke sehr kurz. Wir als Austauschpartner durften keine Jeans, keine Turnschuhe etc. anziehen und sollten uns in den Farben dunkelblau, weiß und beige kleiden.

Des Weiteren hatten wir abends noch ein „Evening Welcome Dinner“ für uns und unsere Gastfamilien, was auch sehr schön war! An den folgenden Tagen haben wir zwei „Field trips“ nach D.C. (Washington) gemacht, immer begleitet von einem Lehrer der Bullis School. Bei diesen Exkursionen haben wir viel gesehen: Von der „National Gallery of Art“ und dem „American Indian Museum“ bis hin zum Kapitol, in dem wir sogar die exklusive Möglichkeit hatten, ein waschechtes Senatoren-Büro zu sehen!

An einigen Tagen hatten wir nachmittags Chorprobe für das „Independent School Choral Festival“ in der „National Cathedral“ mit Mr. Strunk, einem der amerikanischen Lehrer. Er war richtig „cool“, hat uns immer geholfen und war außerordentlich sympathisch! Die Proben waren immer sehr entspannt, mal mit den amerikanischen Chorteilnehmern, mal ohne. Wir übten und übten und ich muss sagen, wir haben wirklich viel dazugelernt.

Am Donnerstag durften wir uns dann ganz offiziell vor der ganzen „upper school“ vorstellen. Als ich zum ersten Mal hörte, dass wir vor einer Menge von Schülern auf Englisch ins Mikrofon sprechen sollten, war ich zugegebenermaßen erst einmal ein bisschen schockiert. Natürlich waren wir davor alle sehr aufgeregt, doch der ganze Aufwand hat sich auf jeden Fall gelohnt! Nach dem abschließenden Applaus waren wir alle sehr stolz und erleichtert, dass alles so geklappt hatte, wie wir es erhofft hatten.

Die beiden Wochenenden verbrachten wir zusammen mit unseren Gastfamilien. Wir spielten Tennis auf dem hauseigenen Tennisplatz, gingen ins Kino oder machten die Shoppingmalls unsicher! Am ersten Sonntag stand dann die Generalprobe mit dem Bullis- Chor für das bevorstehende Chor- Festival an. Sie fand in der beeindruckenden Kathedrale, die man schon von weitem sehen konnte, statt. Obwohl es sehr eng auf der kleinen Empore war – es nahmen auch noch sieben andere Schulen an dem Auftritt teil – hatten wir alle viel Freude und waren erleichtert, dass es keine größeren Zwischenfälle gab. 

Am Mittwoch war es dann endlich so weit- unser Auftritt in der Kathedrale lag direkt vor uns und wir waren alle sehr nervös! Von Mr. Strunk bekamen wir wunderschöne, schwarze Abendkleider und typisch amerikanische Haarschleifen. Auch für unser leibliches Wohl wurde ein warmes Buffet geliefert, es fehlte uns wirklich an nichts! Wenig später saßen wir dann auch schon mit den anderen amerikanischen Sängern der Bullis- School im Schulbus, der uns zu der Kathedrale fahren sollte.

Ich kann nur sagen, der Abend war wirklich wunderbar! Besonders der Auftritt von unserer Schule bekam tosenden Applaus und auch die restlichen Stücke waren wirklich schön! Mein persönliches Highlight dieses Abends waren unsere „Mitschüler“, die uns mit einem wunderschönen Lied als Mitglieder der „Bullis Familiy“ kürten. Am Ende wurden wir stolz und zufrieden von unseren Gastfamilien empfangen, die natürlich auch zugeschaut hatten. Diesen Abend werde ich wirklich nie vergessen.

Bis zu unserer Abfahrt nach New York besichtigten wir noch das Haus von George Washington und die Georgetown University, die pro Semester um die 40.000 $ kostet!

Am Freitag ging es dann früh morgens auf nach New York. Wir waren in einem kleinen, total verrückten, aber tollen Hostel untergebracht. Dort angekommen, starteten wir gleich und entdeckten NYC hautnah: atemberaubende Street Performances, die 5th Avenue und die Freiheitsstatue sowie Ellis Island und die Brooklyn Bridge –  dafür dass wir Hurricane-bedingt nur zwei Tage in der Metropole waren, haben wir wirklich viel gesehen. Der Grund für unseren kurzen Aufenthalt war Sandy, der Wirbelsturm… Dank ihm mussten wir New York leider in Eile verlassen, um den letzten Bus nach D.C., der noch aus Manhattan rausfuhr, bevor die Tunnels geschlossen wurden, zu bekommen. Das Shoppen fiel dann leider etwas kürzer aus… Trotzdem waren wir alle froh, als wir Samstagnacht wieder ganz sicher in unseren Gastfamilien waren. Die folgenden Tage hatten wir schulfrei (wegen Sandy…) und mussten uns zu Hause beschäftigen, was uns nicht allzu schwer fiel, denn wir spielten Spiele, kochten und schauten Filme.

Am Mittwoch durften Leonie und ich mit unserem Gastbruder in den „Haunted Forest“; das ist eine Art lebendige Geisterbahn, typisch für die Zeit um Halloween, bei der man alleine durch einen dunklen Wald läuft und die ganze Zeit darauf gefasst sein muss, dass ein Monster hinter dem nächsten Baum hervorspringt und Deinen verfolgt… Das war super gruselig, aber die lange Fahrt hat sich wirklich gelohnt.

Und dann rückte auch schon unsere Abfahrt Stunde für Stunde näher. Wir konnten es kaum fassen, dass die drei Wochen so schnell vorbeigegangen waren. Diese Reise werde ich auf jeden Fall nie vergessen. Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt: „The American way of life“ hautnah miterlebt, neue Freunde kennengelernt, wunderschöne Momente erlebt und aufregende Ausflüge gemacht. Ich kann jedem nur raten, sich auch für den Austausch zu bewerben, denn diese Erfahrungen sind fürs Leben!

Selina Rolker, Kl. 10