Bericht über meinen Aufenthalt in Chile

Mein erster Flug, meine erste große Reise. Ich werde meine Familie unglaublich vermissen. Das war mein erster Gedanke als ich in den Zug stieg, der uns nach Frankfurt an den Flughafen brachte. Doch es sollte ganz anders kommen. Chile wurde in kürzester Zeit mein neues Zuhause und der Abschied am Ende des Aufenthalts fiel mir sehr schwer.

Nach einer 18 stündigen Reise, kam ich endlich zusammen mit allen anderen Deutschen in Viña del Mar an, unserem neuen Zuhause. An der Schule, die wir ab jetzt für 3 Monate besuchen würden, erwarteten uns schon unsere "neuen" Familien.

Ich wurde sehr herzlich und offen aufgenommen und sofort wie ein richtiges Familienmitglied behandelt. Sich in die Familie einzugliedern, war gar kein Problem. Die Menschen in Chile haben im Gegensatz zu uns keinerlei Berührungsängste. Sie sind herzlich und aufgeschlossen, so dass ich mich gleich von Anfang an richtig wohl fühlte. Zu Beginn der drei Monate fiel es mir noch etwas schwer die Chilenen zu verstehen, da das chilenische Spanisch doch anders ist, als das Spanisch, das bei uns unterrichtet wird. Die Angst, Fehler zu machen, hinderte mich anfangs am Sprechen. Meine Sorge war völlig unbegründet gewesen, denn alle Chilenen unterstützten mich dabei, meine Sprachkenntnisse zu verbessern, so dass ich nach wenigen Wochen schon recht gut Spanisch sprach.

Da die Chilenen so warmherzig und offen sind,  fand ich in der Schule schnell Anschluss. Es entstanden sogar einige sehr tiefe Freundschaften.

Nach der Schule ging ich immer mit meinen Freunden an den Strand, zum Surfen oder in die Nachbarstädte Valparaíso, Concón, und Reñaca.

Ich wollte so viel wie nur möglich von Chile kennenlernen. Einen Teil dieses Wunsches erfüllte ich mir, als ich in den Winterferien mit 10 anderen Deutschen eine selbstständige Reise in den Süden Chiles unternahm. Wir fuhren mit einem Reisebus 14 Stunden lang in Richtung Süden, bis wir schließlich in Puerto Montt, einer Hafenstadt ankamen. Zusammen mit einem Einheimischen, der sich dort gut auskannte, erkundeten wir den Nationalpark Llanquihue, die kleine Insel Chiloe, besuchten aktive Vulkane und  erlebten viele andere unvergessliche Dinge.

Als ich nach fünf wundervollen und aufregenden Tagen wieder zurück kam nach Viña del Mar, begann das Projekt "un Techo para Chile". Das ist ein Projekt, das junge Leute dazu animiert, für eine Woche in einem Campamento, einem Armenviertel, zu leben und in dieser Zeit Häuser und Straßen für die Armen zu bauen. Die Einblicke in das Leben in großer Armut regte uns zum Nachdenken an und gab uns viele Impulse für unser eigenes Leben.

Einen großen Kontrast zum restlichen Land bildet die Hauptstadt Santiago de Chile, die ich mit vier Freunden  einen Tag lang  erkundete. Endlose Straßen, in denen sich ein Hochhaus an das andere reiht, und der höchste Turm Südamerikas ließen uns staunen.

Der Höhepunkt des ganzen Aufenthalts bildete die Reise in die Atacamawüste. Zusammen mit allen anderen deutschen Austauschschülern fuhr ich in den Norden Chiles, wo wir bei eisigen Außentemperaturen in heißen Quellen badeten, die unglaubliche Weite der Salzwüste und ihre tierischen Bewohner bestaunten und bei Sonnenuntergang auf Sanddünen durch die Wüste ritten. Auch ein Schwarm rosaroter Flamingos flog über uns hinweg. Wir konnten es kaum glauben.

Mein Aufenthalt in Chile ließ mich in vielen Dingen reifen. Ich bin selbstständig und erwachsen geworden. Die Scheu, eine fremde Sprache zu sprechen, habe ich vollständig verloren. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Reise machen durfte, und kann sie nur weiter empfehlen.

Lara Eberle, Kursstufe 1