Avignon-Austausch

Sancta Maria reçoit St. Ursula – Bericht vom Schüleraustausch zwischen dem St. Ursula Gymnasium Freiburg und dem Collège Institution Sancta Maria in Villeneuve-lès-Avignon im Mai 2017.

Nachdem im Jahr 2016 leider kein gegenseitiger Austauschbesuch möglich war, da unsere französische Partnerschule Collège Institution Sancta Maria aufgrund der schwierigen Sicherheitslage in Frankreich – Ausnahmezustand, Terrorgefahr – auf sämtliche Auslandsfahrten verzichtet hatte, waren wir und insbesondere unsere Schülerinnen froh, dass in diesem Jahr wieder eine Austauschfahrt stattfinden konnte.

Aufgrund der Größe des St. Ursula Gymnasiums und der beachtlichen Zahl an Schülerinnen, die Französisch lernen –von den rund 150 Schülerinnen eines Jahrgangs belegen etwa 120 Schülerinnen Französisch als erste oder als zweite Fremdsprache –  ist das Interesse an einem Austausch mit Frankreich sehr groß.

Da das Collège Institution Sancta Maria nur von etwas mehr als 300 Schülerinnen und Schülern besucht wird, können leider nicht alle deutschen Mädchen, die dies wünschen, an diesem Austausch teilnehmen. Glücklicherweise haben wir aber neben dieser Schule in Villeneuve-lès-Avignon auch noch Partnerschulen in Paris und in Tours, sodass unsere Schülerinnen im Laufe ihrer Schullaufbahn mehrmals die Möglichkeit haben, sich für einen Platz in einem der Austausche zu bewerben.

Wie schon des Öfteren in der Vergangenheit, hat es auf französischer Seite inzwischen wieder einen personellen Wechsel gegeben – Frau Zoé Zarrouk hat die Schule verlassen, statt ihrer ist Frau Marie Robert nach fast zehn Jahren Lehrtätigkeit in Orange wieder als Deutschlehrkraft an das Collège Institution Sancta Maria zurückgekehrt.  Diesmal wechselt aber auch auf deutscher Seite das Begleitpersonal; nachdem Frau Silke Knauth und Herr Thomas Ernst über 9 Jahre den Austausch organisiert und begleitet haben, fuhren dieses Mal zwei neue Kolleginnen mit, die künftig für den Austausch mit Villeneuve-lès-Avignon verantwortlich zeichnen werden, nämlich Frau Kerstin Schoch und Frau Moser-Fendel.

Ein weiterer, zunächst nicht intendierter Aspekt hat dem diesjährigen Austausch eine besondere Intensität und Dynamik verliehen. Aufgrund terminlicher Verschiebungen hatte es sich ergeben, dass Besuch und Gegenbesuch lediglich vier Tage auseinanderlagen. Was uns zunächst als unwillkommener Stressfaktor erschien, entpuppte sich als Katalysator für die Beziehungen unter den Schülerinnen und ihren französischen Austauschpartnerinnen und -partnern. Zunächst besuchten uns die Franzosen vom 2. bis zum 9. Mai in Freiburg, dann fuhren wir kurz darauf vom 12. bis zum 19. Mai nach Villeneuve-lès-Avignon.

Da sich die französischen und deutschen Schüler-innen und Schüler bereits gut kannten, geriet der Empfang am Abend des Anreisetages zu einem sehr bewegenden und emotionalen Auftakt unseres Aufenthaltes. Die französischen Gasteltern haben ein großartiges Buffet mit allen denkbaren regionalen Leckereien aufgefahren und Frau Robert hatte einen DJ organisiert, gegen später deutsche und französische Hits auflegte, zu denen alle bald ausgelassen tanzten; sogar der unvermeidbare Karaoke-Wettbewerb durfte nicht fehlen, bei auch die Lehrerinnen und Lehrer beider Nationen am Mikrofon ihr Können unter Beweis stellen mussten.

Die Tatsache, dass sich die Austauschpartnerinnen und -partner alle schon kannten, erwies sich darüber hinaus auch insofern als sinnvoll, als am Beginn unseres Aufenthaltes in Südfrankreich das Wochenende in den Familien stand, bei dem die Schülerinnen ja weitgehend auf sich alleine gestellt mit der französischen Wirklichkeit konfrontiert sind. Andererseits kam uns aber auch zu Ohren, dass so manche deutsch-französische Freundschaftsclique sich am Wochenende verabredet hatte.

Am Montag, den 15. Mai begann dann unser bewährtes Besuchsprogramm, bei dem die deutschen Mädchen einen unmittelbaren Einblick in die französische Kulturlandschaft der Provence erhielten. Am ersten Ausflugstag fuhren wir in Richtung Camargue. Am Vormittag besichtigten wir die Stadt Arles, ihre römischen Stätten, das Kloster Saint Trophime sowie die Espace Van Gogh. Der Nachmittag führte uns nach Les-Baux-de-Provence, wo wir das wunderschöne Dorf sowie die weitläufigen Ruinen der großen Burganlage erkundeten, etwas über „Bauxit“ und die Aluminiumherstellung lernten und bei herrlichem Wetter sowohl die mittelalterlichen Vorführungen – Katapulte und Steinschleudern – als auch die Fernsicht genossen.

Am Dienstag, den 16. Mai, statteten wir früh morgens dem „Musée de la Lavande“ in Coustellet einen Besuch ab und ließen uns über die Geschichte und die Besonderheiten des Lavendelanbaus in der Provence aufklären. Dies war insbesondere deshalb sehr spannend, weil durch die vielen blühenden Lavendelfelder das Interesse der Schülerinnen für diese typisch provenzalische Pflanze geweckt worden war. So lernten wir beispielweise den Unterschied zwischen dem „echten Lavendel“ (le lavandin), der nur in über 800 Metern Höhe wächst, und dem Spaltlavendel (la lavande), der die Felder in den Niederungen ziert, kennen.

Daraufhin fuhren wir in das Dorf Gordes, wo wir den provenzalischen Markt und die schöne Dorfanlage besuchten.

Im Anschluss daran machten wir einen Spaziergang durch die Ockerbrüche bei Roussillon und besichtigten das wunderschöne Roussillon, das seit 2012 als eines der „Plus beaux villages de France“ klassifiziert ist.

Auf die geplante Besichtigung der Fontaine de Vaucluse mussten wir leider verzichten, da uns der dichte Verkehr und die zahlreichen Baustellen in und um Avignon viel Zeit kosteten und wir ja rechtzeitig vor 17.00 Uhr an der Schule in Villeneuve-lès-Avignon zurück sein mussten, damit die Schülerinnen zusammen mit ihren Austauschpartnern mit den Schulbussen nach Hause fahren konnten.

Am Mittwoch, den 17. Mai, erkundeten wir am frühen Vormittag zunächst das Zentrum von Villeneuve-lès-Avignon, besichtigten die Prieuré sowie das Fort St. André, das die Stadt von weithin sichtbar dominiert. Die zweite Hälfte des Vormittages widmeten wir der Besichtigung der Innenstadt von Avignon – Pont St. Bénézet, Place de l’Horloge, Rue de la République, Palais des Papes …

Nachdem wir oberhalb des Papstpalastes bei schönstem Wetter gepicknickt hatten, holte uns unser Busfahrer Andrei, der uns schon seit mehreren Jahren souverän durch Südfrankreich chauffiert, an der Stadtmauer ab und fuhr mit uns zum Pont du Gard, wo wir den römischen Wurzeln der Provence nachspürten.

Der Donnerstag, der 18. Mai, stand insofern im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft, als an diesem Tag der gemeinsame Ausflug von Franzosen und Deutschen stattfand. In zwei gemischten Gruppen besuchten wir im Wechsel zum einen den Aven d’Orgnac, eine beeindruckende Tropfsteinhöhle, zum anderen einen nahe gelegenen großen Kletterpark, den Indy-Parc in Vagnas. Auf diese Weise kamen sich unsere Schülerinnen und ihre Gastgeber am Tag vor unserer Heimreise noch einmal näher.

Am Freitag, den 18. Mai, hieß es dann Abschied nehmen. Am Fuße des Tour Philippe le Bel, dem Ausgangs- und Endpunkt unserer Tagesfahrten durch die Provence, versammelten sich alle deutschen und französischen Schülerinnen und Schüler sowie die gastgebenden Eltern, um sich voneinander zu verabschieden und um Vorfreude zu tanken für die Neuauflage des Austausches im kommenden Jahr.

Th. Ernst

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