Sancta Maria et Sankt Ursula – Drei Wochen intensiver Austausch

Bericht von der Austauschbegegnung zwischen Schülerinnen und Schülern des Collège Institution Sancta Maria in Villeneuve-lès-Avignon und des St. Ursula Gymnasiums in Freiburg vom 10. bis 17. Mai 2019 beziehungsweise vom 22. bis 29. Mai 2019.

„Bis nächste Woche! Wir freuen uns!“, mit diesen und ähnlichen Worten sowie mit herzlichen Umarmungen verabschieden sich unsere Schülerinnen am Morgen des 17. Mai 2019 von ihren französischen Gästen. Eine Woche lang, vom 10. bis 17. Mai 2019, haben 38 französische Schülerinnen und Schüler vom Collège Institution Sancta Maria aus Villeneuve-lès-Avignon den Alltag mit ihren Austauschpartnerinnen vom St. Ursula Gymnasium Freiburg geteilt.

Angefangen vom unsicheren Moment der ersten Begegnung bei der Ankunft am Konzerthaus Freiburg, über einen gemeinsam verbrachtes Wochenende in den deutschen Gastfamilien bis hin zum Besuch des Schulunterrichts, des gemeinsamen Mittagessen der Cafeteria und einem abwechslungsreichen und vielfältigen Programm – inklusive einer „Soirée Franco-allemande“ im „Partykeller“ des St. Ursula Gymnasiums und des unvermeidlichen Besuches des Europaparks – erlebten die französischen Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren deutschen Gastgeberinnen eine intensive Woche in Süddeutschland.

Begleitet wurden unsere französischen Gäste auf ihrer Austauschfahrt nach Freiburg von der Französischlehrerin Anne Roger und der Deutschlehrerin Marie Robert, die nach zehnjähriger Unterbrechung seit drei Jahren wieder am Collège Sancta Maria unterrichtet und sich dort mit großer Leidenschaft dem Deutschunterricht an ihrer Schule widmet und sich ebenso passioniert um den Austausch mit dem St. Ursula Gymnasium Freiburg kümmert.

Darüber hinaus hatten wir die Ehre, zusammen mit unseren französischen Kolleginnen und dem ebenso zum Team gehörenden Busfahrer Florent den Direktor des Collège Institution Sancta Maria in Freiburg, Herrn Patrice Cirillo, empfangen zu dürfen. Herr Cirillo machte das gesamte Besuchsprogramm mit, und konnte sich so einen umfassenden Eindruck von dem seit dreißig Jahren erfolgreich durchgeführten Austausch zwischen unsere beiden Schulen verschaffen.

Nicht einmal eine Woche ist vergangen, da brechen die deutschen Mädchen des St. Ursula Gymnasiums ihrerseits zum Gegenbesuch nach Südfrankreich auf, um nun selbst das Nachbarland, die provenzalische Heimat und den schulischen und familiären Alltag ihrer neu gewonnenen französischen Freundinnen und Freunde kennen zu lernen. Am Ende ihrer einwöchigen Austauschfahrt werden die französischen und deutschen Schülerinnen und Schüler auf eine intensive und eindrucksvolle, lehrreiche und unvergessliche beinahe dreiwöchige Begegnungserfahrung zurückblicken.

Nach unserer Ankunft in Villeneuve-lès-Avignon am späten Nachmittag des 22. Mai 2019 und der herzlichen Aufnahme unserer Schülerinnen in den Familien ihrer ja bereits vertrauten Gastgeber, stand am nächsten Morgen ein erster Ausflugstag auf dem Programm. Wie jeden Morgen empfingen wir begleitende Lehrerinnen und Lehrer unsere Schülerinnen morgens ab 7.45 Uhr auf dem Schulhof von „Sancta Maria“, um zu hören, ob es ihnen gut geht, wie sie den ersten Abend in ihrer Gastfamilie erlebt haben und ob sie gut geschlafen haben. Auch schauen wir immer, ob jede Schülerin von der Gastfamilie ein ausreichendes Vesper für den Tag mitbekommen hat.

Unsere erste Tagesetappe führte uns zum „Musée de la Lavande“, wo wir viel Interessantes und Erhellendes über die Geschichte und die Bedeutung des Lavendelanbaus in der Provence erfuhren. So lernten wir den Unterschied zwischen dem echten Lavendel, der nur in Höhen über 800 Metern wächst, und dem stärker verbreiteten „Lavendin“ kennen, der während der Blütezeit im Juni und Juli die tiefer liegenden Gegenden mit seine typischen lila Farbe schmückt. Wir lernten die traditionellen aber auch die industriellen Formen der Verarbeitung des Lavendel sowie die verschiedenen Destillierverfahren zur Gewinnung des Lavendelöls kennen.

Am späten Vormittag erreichten wir Roussillon, wo die Schülerinnen sich zunächst auf dem örtlichen Wochenmarkt einen Eindruck von der bunten Vielfalt südfranzösischer Marktstände machen durften. Zur Mittagszeit betraten wir die Ockerbrüche von Roussillon. Nachdem wir zunächst gemeinsam den „Sentier des Ocres“ durchlaufen hatten, die vielfältige Farbenpracht der unterschiedlichen Sandschichten bestaunt hatten und auch etwas zur Geschichte der Herstellung von Farbstoffen erfahren hatten, ließen wir uns dort zu einem mittäglichen Picknick nieder.

Gestärkt und voller bunter Eindrücke fuhren wir anschließend zur „Fontaine de Vaucluse“, wo wir uns einen Eindruck von dem Wasserreichtum des Département Vaucluse machen wollten. Leider war der Quelltopf wegen der geringen Niederschläge der zurückliegenden Tage weitgehend versiegt, doch etwas unterhalb schwoll der Fluss doch recht rasch zu einem beeindruckenden Gebirgsflüsschen an. Trotz der Kälte ließen sich einige Schülerinnen nicht von einem kurzen Bad an einer ruhigen Stelle der „Sorgues“, so der Name des Flüsschens, abhalten – selbstverständliche unter kundiger Aufsicht durch die begleitenden Sportlehrerinnen.

Nach etwa eineinhalb Stunde mussten wir dann wieder aufbrechen, da wir unbedingt um 17.00 Uhr wieder an der Schule zurück sein mussten, damit diejenigen unserer Schülerinnen, deren französische Austauschpartner mit dem Schulbus nachhause fahren mussten, rechtzeitig mit ihnen in dem Bus steigen konnten.

Am Freitag, den 24. Mai 2019, dem letzten gemeinsamen Tag vor dem Wochenende, fuhren wir in die Camargue. Nach einer Fahrt durch die Landschaft des Rhône-Deltas, während der wir Blicke sowohl auf weiße Camargue-Pferde als auch auf schwarze Stiere sowie auf einige Flamingos erhaschen konnten, erreichten wir die Stadt Arles. Dort besuchten wir die Fondation Van Gogh und erfuhren an Ort und Stelle etwas über die Zeit, die Van Gogh in der südfranzösischen Stadt verbracht hat sowie über den Einfluss des Lichtes der Provence auf seine Malerei. Wir besichtigten die antiken Stätten – das „Théâtre antique“ sowie das „Amphithéâtre“ – und lernten dabei Einiges über das  Leben in der damals beliebtesten ‚Provinz‘ des römischen Reiches.

Nach der vormittäglichen Reise in die Antike tauchten wir gegen Mittag in Aigues-Mortes in das mittelalterliche Frankreich ein, dem diese Stadt einst als Mittelmeerhafen diente, ehe dieser nach relativ kurzer Zeit versandete und Aigues-Mortes so rasch seine Bedeutung verlor – zum Glück für uns heute, denn so bliebt diese imposante Festungsstadt beinahe unversehrt bis heute erhalten.

Zählt bei den Franzosen bei ihrem Besuch in Freiburg der Europaparks zu den „incontournables“, so ist es in Südfrankreich das Mittelmeer – und so statteten wir dem in der Nähe liegenden Strand von Espiguette einen kurzen Besuch ab.

Da aber das Wetter ausgerechnet an diesem Tag nicht so schön war, blieben wir nicht so lange wie geplant und fuhren zurück nach Avignon, wo wir den gemeinsamen Ausflug auf der berühmten Brücke, der „Pont Saint Bénézet“, und zu dem unvermeidlichen Liedchen, das dieser Ort nahelegt, ausklingen ließen. Mit Blick auf die Silhouette der Stadt durften die Schülerinnen sich noch Einiges über die Geschichte und die Bedeutung der mittelalterlichen Papststadt anhören.

An diesem Abend sollten wir erst gegen 19.30 Uhr an der Schule zurück sein, da die Franzosen noch etwas Zeit brauchten, um den Schulhof und die „salle polyvalente“ vorzubereiten, denn an diesem Abend stand die französische Version der „Soiree Franco-allemande“ an. Bereits letztes Jahr war dieser gemeinsame Abend ein voller Erfolg, sowohl bei den Jugendlichen beider Länder als auch bei den Kolleginnen und Kollegen beider Schulen sowie bei den zahlreich erschienenen Eltern.

Es gab ein reichlich gedecktes Buffet, eine französische Schülerin hatte sogar einen tollen Videofilm ihrer Woche in Freiburg gedreht, den wir alle gemeinsam anschauten, und gegen später kamen sich die französischen und deutschen Schülerinnen und Schüler nach einigen Karaoke-Spielen schließlich auch auf der Tanzfläche näher.

Als die Soiree sich gegen 23.00 Uhr ihrem Ende zuneigte, stand für unsere Mädchen das Wochenende in den Gastfamilien an. Für dieses zwei Tage wurden in den französischen Familien und unter den Schülerinnen und Schülern schon im Vorfeld viele Vorbereitungen und zahlreiche Absprachen getroffen. Dementsprechend aufgeregt und nervös waren unsere Mädchen, als sie am Ende des Abends eine nach der anderen mit ihren Gastgebern ins Dunkel des Schulhofes entschwanden, um nachhause zu fahren.

Waren die ersten beiden Tage noch eher touristischer Natur, so tauchten die Schülerinnen nach ihrer Rückkehr aus dem Wochenende in den Schulalltag ihrer Austauschpartnerinnen und -partner ein. Alle 36 Schülerinnen wurden auf verschiedene Klassen verteilt und verfolgten einen Vormittag lang das Unterrichtsgeschehen an einer französischen Schule. Um 12:30 Uhr, mit Ende des Unterrichts, versammelten sich alle französischen und deutschen Schülerinnen und Schüler in der Kantine, um gemeinsam auf Einladung des Collège Sancta Maria zu Mittag zu essen.

Der Nachmittag stand für uns Deutsche dann wieder ganz im Zeichen von Geschichte und Kultur. Gemeinsam fuhren wir zum nur knapp 30 Kilometer entfernten „Pont du Gard“ und ließen uns dort zunächst in einem sehr anschaulichen Museum abermals die römischen Anfänge der Provence im Kontext der antiken Mittelmeerwelt vor Augen führen. Schließlich ging es gemeinsam zu dem beeindruckenden römischen Aquädukt, vorbei an Jahrhunderte alten Olivenbäumen hin zum Ufer des Gard. Dort ließen wir uns eine Weile nieder und genossen mit den Füßen im Wasser den wunderbaren Anblick dieses einzigartigen römischen Monumentes.

Den gesamten Dienstag, den 28. Mai 2019 und damit den letzten Tag unserer Austauschreise, verbrachten alle Franzosen und Deutschen gemeinsam. Wir fuhren Richtung Norden an die Ardèche und besuchten, jeweils wechselweise in gemischten deutsch-französischen Gruppen, zum einen den „Indy Park“ bei Vagnas, einen abwechslungsreichen Kletterpark, und zum anderen die „Aven d’Orgnac“, eine beeindruckende Tropfsteinhöhle. Während die eine Gruppe am Vormittag die Höhle erkundete, vergnügte sich die andere Gruppe gemeinsam im Kletterpark.

Nach einem gemeinsamen Picknick im Park wechselten die Gruppen und Diejenigen, die am Vormittag in der Höhle waren, gingen am Nachmittag klettern und umgekehrt. Nach unserer Rückkehr an die Schule entließen wir unsere Mädchen ein letztes Mal ihre Gastfamilien.

Am anderen Morgen, Mittwoch, den 29. Mai 2019, trafen wir uns alle am Tour Philippe Le Bel, um den Bus zu besteigen und die Heimreise anzutreten: „A l’année prochaine! C’était super!“, konnte man es aus dem Pulk der sich zum Abschied umarmenden Schülerinnen und Schülern sagen hören. Und in der Tat haben diejenigen, die sich gut verstanden haben und die es wünschen, die Möglichkeit, im kommenden Schuljahr nochmals am Austausch teilzunehmen. Frau Robert kündigte bereits an, dass womöglich 50 ihrer Schülerinnen und Schüler vorhaben, im kommenden Jahr bei dem Austauschprojekt mitzumachen.

Thomas Ernst