Dienstag, 10. Mai 2016

Theater am St.Ursula Gymnasium

Premiere von "HIN UND HER" nach einer „Posse in zwei Teilen“ von Ödön von Horváth

„Aber man ist doch immerhin vorhanden!“

Zum Autor/ Zur Entstehung des Stücks:

Ödön von  Horváth- geboren am 9.1.1901 in Susak, gestorben am 1.6.1938 in Paris- schrieb Schauspiele, Volksstücke, Komödien und Romane, in denen er die in der kleinbürgerlichen Gesellschaft des frühen Nationalsozialismus vorhandene untergründige Bösartigkeit sichtbar macht und kritisiert. Horváth gehörte nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 zum Kreis der sogenannten „unerwünschten Personen“. Er verließ 1933  Deutschland und reiste nach Budapest, um dort seine ungarische Staatsangehörigkeit zu erneuern. Dieses Erlebnis inspirierte ihn dazu eine Komödie (oder wie der Autor selbst es nannte: Eine „Posse in zwei Teilen“) zu schreiben. Das Stück entstand zunächst unter dem Arbeitstitel „Die Brücke“ und wurde am 13.Dezember 1934 im Schauspielhaus Zürich unter der Regie Gustav Hartung uraufgeführt. Die Premiere in Zürich nutzte Ödön von  Horváth dazu gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin Wera Liessem Deutschland zu verlassen. In Deutschland selber durfte das Stück während der gesamten Zeit des Nationalsozialismus nicht aufgeführt werden. Hier wurde es erstmals am 29. Dezember 1965 am Hessischen Staatstheater Wiesbaden gezeigt. Die Musik zu dem Stück schrieb Hans Gál.

Zum Inhalt:

In einer Transitzone irgendwo zwischen zwei Staaten, wird eine „Ausgewiesene“ immer wieder von der einen zur anderen Seite geschickt, weil sie nirgends hinein darf. Auf der einen Seite macht man ihr klar, dass sie nun nicht mehr dem Staatsverband angehöre, weil ihr Pass abgelaufen sei, auf der andern lässt man sie nicht hinein, weil sie es versäumt habe einen Nachweis ihrer hiesigen Geburt zu besorgen. So muss Frau Huber in der Transitzone ausharren, die „weder Fisch noch Fleisch“ ist und erlebt skurrile Menschen und Situationen. Da wird geangelt, geschleppt, geliebt und Frau Huber dient der einen wie der anderen Seite als „Nachrichtendienst“.

Situationen, die auf der einen Seite komisch erheiternd wirken, auf der anderen Seite bei näherer Betrachtung aber dazu führen, dass dem Zuschauer das Lachen vergeht und ihn eher nachdenklich werden lassen:
Menschen in der Transitzone, zwischen zwei Grenzen, auf der Suche nach einem Zuhause, auf der Suche nach Heimat und Geborgenheit:

„Wenn Heimat keine Heimat mehr ist?

Kann man loslassen und ruhig werden?

Kann man Glück überhaupt wahrnehmen und Freude empfinden?

Wie kann man ohne Unterstützung und Sicherheit den Mut aufbringen, einen weiteren Schritt zu gehen?

Woher nimmt man die Kraft, die Heimat gibt?

Hat man genügend Selbstbewußtsein, ohne zu wissen, dass andere Menschen einen lieben, frei zu sein und zu sich selbst zu stehen?

Wenn Heimat keine Heimat mehr ist, wer wäre dann ICH?“

Angesichts der Tatsache, dass  die europäischen Staaten gegenwärtig um eine angemessene Grenzpolitik ringen und der Streit um eine Öffnung oder Schließung der europäischen Grenzen in vollem Gange ist, ist der Stoff, der dem Stück Ödön von Horváths zugrunde liegt, aktueller denn je.
Die Mitglieder der Theater-AG des St. Ursula Gymnaiums haben sich ein Jahr lang mit dem Stück „Hin und Her“, seinem Hintergrund, seinen Botschaften und Kritiken an der Gesellschaft auseinandergesetzt. Zusammen mit den beiden AG Leiterinnen Frau Matern und Frau Schirrmeister haben sie die Persönlichkeiten und deren Charaktere in den einzelnen Szenen studiert, analysiert und interpretiert und sie dann in einer eigenen Inszenierung auf schauspielerisch höchstem Niveau umgesetzt. Durch einen geschickten Einsatz von Musik, Bewegung, Sprache und schauspielerischen Elementen wurden die Intensionen des Stückes und seines Autors sehr eindrücklich herausgearbeitet. Von den jüngsten Mitgliedern der Theatergruppe (Klassenstufe 8) bis hin zu den erfahrenen (Kursstufe 2) identifizierte sich jeder Einzelne mit der von ihr dargestellten Persönlichkeit und erweckte sie so auf unvergessliche Weise zum Leben. Für den Zuschauer wurde es zu einem Wechselbad der Gefühle. Eine grandiose Leistung von allen am Geschehen Beteiligten.

Vielen Dank für die monatelange Arbeit, das intensive Arbeiten an dem Stück, die unendlich viele Proben und für eine grandiose Premiere.
Ihr seid eine tolle Truppe mit zwei sehr engagierten, hochmotivierten und motivierenden Leiterinnen. Weiter so!

Hier finden Sie Bilder, die während der Premiere des Stücks aufgenommen wurden.